Eine Französische Kollektion - Kritik SZ 15.3.2004 |
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Benediktbeuern. Erst im vergangenen Jahr gegründet hat sich das Ensemble "Munich Baroque Band" um den jungen Pianisten Robert Schröter, der im Benediktbeurer Barocksaal nun schon seit Jahren gut besuchte Sylvesterkonzerte veranstaltet. So voll wie zur Jahreswende war der Saal am Samstagabend leider nicht, aber das Publikum ersetzte die fehlende Masse durch enorme Begeisterungsfähigkeit.
Die sympathischen jungen Musiker haben sich beim Studium am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium kennengelernt. Kaum zu glauben, dass sie erst so kurze Zeit miteinander arbeiten, denn der Einklang des Ausdrucks ist bereits absolut überzeugend. Mit Regine Freitag, 1979 in Leipzig geboren, an der Barockvioline, Stefan Temmingh aus einer südafrikanisch-holländischen Musikerfamilie, 1978 in Kapstadt geboren, an der bzw. den Blockflöten, Robert Schröter am Cembalo und dem aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana stammenden Domen Marincic an der Viola da Gamba haben sich begabte junge Leute gefunden, die mit einer Riesenportion Enthusiasmus an die Alte Musik herangehen. Es macht gleichermaßen Spaß, ihnen zuzuschauen wie zuzuhören.
Zum Einstand waren mit Francois Couperins "Huitième Concert" alle auf dem Podium versammelt: Gambe und Cembalo als Continuo, Geige und Flöte in exakter Übereinstimmung des Ausdrucks als konzertierende Instrumente - der Eleganz und Leichtigkeit der französischen Barockmusik vollkommen angemessen. Michel Blavets "Sonata terza" ließ der Flöte den Soloauftritt. Was sich schon bei Couperin angedeutet hatte, wurde nun zur Gewißheit: Stefan Temmingh hat das absolute Gespür für den solistischen Gestus, gepaart mit hervorragender Spieltechnik und großen Ausdrucksmöglichkeiten - aufgewühlt-pulsierend kam das Allegro, höfisch-geziert begann das Minoetto, um hochvirtuos-atemberaubend zu schließen.
In Pierre Gaultier de Marseilles "Suite en trio", die wieder alle vereinte, überraschte vor allem der 4.Satz "Sommeil": Ohne das Cembalo ergab sich eine ganz neue Klangfarbe, die drei Stimmen lagen völlig frei und bloß - und konnten demonstrieren, dass sie perfekt aufeinander eingestimmt waren. Jean-Philippe Rameaus "Premier Concert" stellte die Geige als Solistin vor, wobei Regine Freitag einen schönen, geschmackvollen Ton präsentierte, aber durchaus noch etwas dezidierter hätte agieren können. In diesem Stück fiel immer wieder der brillante, perlend-glitzernde Cembaloton auf.
In der folgenden "Sonata" von Jean Marie Leclair ohne Geige durfte Domen Marincic endlich aus der Begleitfunktion heraustreten und lieferte ein wundervolles Wechselspiel mit der Flöte - ein wahres Singen der Gambe ließ im Allegro aufhorchen, schöne Ausdrucksbögen spannte die Sarabanda. Einen höchst anmutigen, edlen Wettstreit zwischen Flöte und Gambe brachte das Allegro. Abschließend Marin Marais' "Suite in g", die perfekt demonstrierte, wie die sehr formbewußte französischen Barockmusik bei Wahrung dieser Vorgabe dennoch mit größtem Ausdruck und Leben ausgefüllt werden kann - vom höfischen Zeremoniell in der Sarabande bis zum vollen Auskosten barocker Klangpracht in all ihren Facetten in der Passacaille. Langer, heftiger Beifall!